Steht auf und bringt Gewänder, der Herbst ist nun erwacht,

Ein kühler Wind aus Choresm hat Frische mitgebracht.

Seht nur das Weinblatt dort, das an der Rebe hängt,

Als hätt’ ein Färbermeister ihm Farbenpracht geschenkt.

Der Bauer beißt den Finger erstaunt im Morgenlicht,

Denn Rose und Granatapfel, die blühen beide nicht.

                                                                                         Manutschehri

 

Der Herbst, dieser meisterhafte Alchemist der Zeit, zieht anmutig und würdevoll ein, um die unvergleichliche Leinwand der Schöpfung mit seiner berauschenden Farbsymphonie zu erobern. Der Herbst ist keine Jahreszeit des Verfalls, sondern die prachtvollste Manifestation der Befreiung; jene Zeit, in der die Bäume in einem mystischen Tanz ihre smaragdgrünen Gewänder ablegen und sich in goldene und feuerrote Umhänge hüllen. Jedes Blatt, das in der Umarmung des Windes tanzt und auf der Brust der Erde ruht, ist eine lange Ode, die den Stillstand betrauert und den Wandel preist; es scheint, als fiele die Natur in dieser kastanienbraunen Trance in einen geheimnisvollen Schlaf, um die Wahrheit des Erwachens in den verborgenen Kammern der Erde zu kosten.

Auf dem Gipfel dieser wunderbaren Jahreszeit erstrahlt der Name „Mehr“ wie ein Juwel aus Licht und Zuneigung. Mehr ist nicht nur der erste Schritt des Herbstes im alltäglichen Kalender; er ist die Vorhut einer Ära, in der die unheimliche Kühle der Luft durch die Wärme verbundener Herzen ausgeglichen wird. In den nebelverhangenen Gassen des Mehr weckt der herbe Duft regendurchtränkter Erde den Niederschlag uralter Erinnerungen in der menschlichen Seele, und sein bleierner Himmel wird zu einem Vorwand für den Menschen, fernab des Lärms turbulenter Sommer Zuflucht in sich selbst zu suchen und im Schatten eines süßen Kummers die Majestät der Vergänglichkeit zu beobachten.

Erstaunlicherweise feierten unsere weisen Vorfahren im Herzen dieses paradiesischen Monats das „Mehregan“-Fest, um Licht, Gerechtigkeit und Bündnistreue zu ehren. Mehregan ist die Arena von Licht und Dunkelheit, das Erntedankfest der Erde; die herbstliche Tagundnachtgleiche, in der sich die mühsame Arbeit der Bauern in goldenen Garben und reichen Ernten manifestiert. In diesem uralten Ritual werden am purpurfarbenen Tisch rotbäckige Äpfel und aufplatzende Granatäpfel neben Zypressen- und Myrtenzweigen zu Symbolen für ständige Wiedergeburt und die Unsterblichkeit der Hoffnung. Sie zeugen davon, dass man selbst inmitten von Blattfall und Herbst das Wachstum und die Fruchtbarkeit am Altar der Dankbarkeit preisen kann.

So beginnt der Herbst mit der Melodie des Mehr und erreicht in der uralten Pracht von Mehregan seine vollkommene Bedeutung. Diese magische Jahreszeit ist eine große Lehrmeisterin des Loslassens; sie ermahnt uns, dass das Abwerfen verblasster Anhaftungen die einzige Bedingung für das Erblühen und einen neuen Sonnenaufgang im Frühling der Seele ist. In diesen safranfarbenen Tagen geziemt es sich, unsere Herzen der Klarheit der herbstlichen Regenfälle anzuvertrauen. Wie Sohrab Sepehri sagte: „Lasst uns die Augen waschen, die Regenschirme schließen und im Regen spazieren gehen.“ Lasst uns den Staub des Grolls vom Spiegel der Seele wischen und in der uralten Tradition von Mehregan den Bund der Freundschaft und Wahrheit erneuern. Mögen die Feuerschalen unserer Herzen in der beißenden Kälte dieser Zeiten stets durch das Brennholz der Liebe lodernd und leuchtend bleiben.