Ziellos lief sie durch das geschäftige Treiben der Straße. Ihr Blick war starr nach unten gerichtet, darauf bedacht, nicht auf die Fugen der Pflastersteine zu treten. Zumindest bei diesem Teil des Spiels des Lebens konnte sie gewinnen! Das Schaufenster eines Puppenladens erregte ihre Aufmerksamkeit. Wie sehr eine der Puppen ihr doch ähnelte. Große, braune Augen, die förmlich nach Kummer schrien, kurze, spärliche Wimpern, auf denen der Tau einer Träne saß, und langes, verfilztes Haar. Ihr Kleid hingegen war ganz anders. Die Puppe trug ein langes, himmelblaues Kleid, das mit Perlen verziert war. Aber sie mochte auch ihr eigenes Kleid. Auch wenn es ihr inzwischen etwas zu eng geworden war, erinnerten sie seine bunten Flicken an einen Regenbogen. Auf der anderen Seite des Schaufensters waren kleine Figuren auf einem Regal aufgereiht. Voller Begeisterung erkannte sie eine der Figuren wieder. Sie hatte den Cartoon dazu schon ein paar Mal durch das Schaufenster eines Fernsehgeschäfts gesehen. Sie blickte auf die bunten Zettel in ihrer Hand. Sie hatte noch nicht eine einzige Wahrsagung verkauft. Sie setzte sich auf den Vorsprung vor dem Laden und schloss die Augen. Sie ließ ihren Zeigefinger über die Papiere tanzen und zog eines heraus. Das hatte sie von den Erwachsenen gelernt. Sie riss den Umschlag auf und holte die Botschaft ihrer verblassten Welt heraus: „Frohe Kunde, o Herz, ein christusgleicher Hauch naht, Dessen süßer Atem den Duft von jemandem bringt. Klage und weine nicht über den Schmerz der Trennung, denn ich Habe das Orakel befragt, und ein Retter naht.“ Sie war noch nicht alt genug, um die Bedeutung des Gedichts zu verstehen, und hatte sogar Mühe, die Worte zu lesen, aber die Bedeutung von „Retter“ kannte sie sehr wohl. In ihrem Herzen sagte sie: „Wenn ich nur wüsste, wann er kommt...!“