Lobgesang auf einen Mann, der die Sprache der Geschichte verkörperte
Der Tod ist für ihn ein zu geringes Wort. Jemand, der sein Leben lang in „Der Tod des Jesdegerd“ auf der Bühne die Pracht des Verfalls darstellte und in „Hazar Afsan“ (Tausend Legenden) den verlorenen Wurzeln der Identität nachspürte, ist selbst zu einem Teil der Unsterblichkeit geworden. Der Verlust von Bahram Beyzai ist nicht bloß das Ableben eines Regisseurs oder Autors; es ist das Verstummen einer Denk- und Traumfabrik, die uns eine jahrhundertelang verzerrte Geschichte neu interpretierte und vor Augen führte.
Ein zeitgenössischer Arash im Visier des Schicksals
Beyzai war für das iranische Kino und Theater wie „Arash der Bogenschütze“. Er legte seine gesamte Seele in die Sehne seiner Feder, um die Grenzen der persischen Sprache und der iranischen Identität meilenweit hinauszuschieben. Wenn wir von ihm sprechen, reden wir von einem Mann, in dessen Händen die persische Sprache wie ein kostbares Juwel geschliffen wurde, das auf dem Gipfel der Dramaturgie erstrahlt. Er schuf nicht nur Filme und Theaterstücke; er rekonstruierte unser kollektives nationales Gedächtnis.
Fremd in der Heimat, König im Reich des Wortes
Die größte Tragödie in Beyzais Leben ereignete sich nicht im letzten Akt seiner Stücke, sondern in den Jahren seiner Ferne von der iranischen Erde. Er, der mehr als jeder andere über den „Iran“ und seine Wurzeln nachdachte, verbrachte seine letzten Jahre im kalifornischen Exil mit Lehre und Forschung. Sein Verlust hinterlässt eine tiefe Wunde auf der Stirn eines Landes, das den Wert seiner reinsten Edelsteine zu Lebzeiten nicht gebührend zu schätzen wusste. In „Bashu, der kleine Fremde“ suchte er nach der universellen Sprache der Menschlichkeit jenseits aller Ethnien, und in „Saggoshi“ (Hundemord) hielt er der Dunkelheit seiner Zeit den Spiegel vor. Beyzai befreite das Theater von der gewöhnlichen Unterhaltung und verlieh ihm eine rituelle, mythologische Erhabenheit.
Ein Erbe, das niemals stirbt
Obgleich der Tod den sterblichen Leib eines jeden Menschen raubt, wird Beyzai in seinen Worten, in den Bildern von „Regbar“ (Regenguss) und in der Erhabenheit von „Der Tod des Jesdegerd“ weiterleben. Er ist nicht gestorben; er ist in seine wahre Heimat zurückgekehrt, in das Herz der Geschichte und des Mythos. Nun steht er an der Seite von Firdausi und blickt auf uns herab; auf uns, die wir geblieben sind, um das Erbe einer Sprache zu bewahren, die er hütete, und einer Identität, die er für uns formte. Die iranische Theaterbühne wird ohne ihn für immer eine Leere spüren: jenen standhaften Widerhall der Worte und jenen tiefen Blick, der durch die Jahrhunderte hindurch die Wahrheit ans Licht brachte.
„O weh, dass ein solcher Mann in unseren Tagen in fremder Erde zur Ruhe gebettet wird; doch der Glanz seines Geistes ist ein Licht, das niemals erlöschen wird."
Dr. Abdolreza Eshghipour
December 2025
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