هم داستان میزبان فروتن چراغ افروزان


Punsch
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Von: Ahmad Hosseini

Eine Wohnungstür, die nur einen schmalen Spalt weit geöffnet ist, und ein zwischen Tür und Angel gequetschtes Gesicht sind für mich ein alarmierendes Stoppsignal.

Ich höre eine gedämpfte, klägliche Stimme:

„Was habe ich getan, Herr Ahmad?“

„Nichts“, erwidere ich und begrüße meine Nachbarin Frau Steinhauer, die mir gegenüber wohnt.

„Wie geht es Ihnen?“, frage ich.

„Nicht so gut!“ antwortet sie.

„Was haben Sie denn?“

„Warum klingeln Sie nicht mehr bei mir?“

„Frau Steinhauer, ich will Sie nicht jeden Tag stören. Übrigens, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich oft sehr müde und total erschöpft. Dann möchte ich mich wirklich erst einmal ein bisschen erholen und entspannen.“

„Was haben Sie zu Weihnachten vor?“, fragt sie mich beiläufig.

„Weihnachten ist für mich, Frau Steinhauer, ein freier Tag. Ich kann morgens unbekümmert länger schlafen und muss tagsüber nichts Besonderes tun. Weihnachten ist, soviel ich weiß, ein Familienfest. Ich aber bin allein. Es ist vor allem ein westliches Fest. Ich stamme jedoch aus einer anderen Kultur. Man hat mir erzählt, an dem Tag sei Jesus geboren. Darüber freue ich mich allerdings sehr.“

„Ja, gut. Aber ich wollte Ihnen einen Vorschlag machen. Wenn Sie nichts anderes geplant haben, dann lassen Sie uns Weihnachten zusammen feiern. Ich lade Sie ein. Ich bin auch genauso allein wie Sie.“

„Mit Vergnügen, Frau Steinhauer.“, gebe ich zur Antwort.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ich tun soll. Wie ich mich am besten verhalten kann. Frau Steinhauer hat schon das Rentenalter erreicht, sie ist eine sehr launische Frau, und mit Weihnachten habe ich so gut wie gar nichts am Hut. Null Ahnung, wie die Deutschen Weihnachten feiern. Muss ich abweichend von meinem üblichen Tagesablauf etwas Außergewöhnliches tun? Für diese und noch viele andere Fragen habe ich keine überzeugenden Antworten. So treffe ich eine mutige Entscheidung: ins kalte Wasser springen!

Am 24. Dezember arbeite ich wie gewohnt bis 14 Uhr, dann schließe ich mein Geschäft und gehe nach Hause. Zu Hause angekommen, stille ich zuerst meinen Hunger, und anschließend bereite ich mich auf das heutige Fest mit meiner Nachbarin Frau Steinhauer vor.

Erst am späten Nachmittag klingele ich bei ihr. Ich bemerke, dass Sie schon erwartungsvoll hinter der Tür steht. Sie macht die Tür sofort auf und bittet mich mit einem freundlichen Willkommen herein. Nicht ohne Erstaunen merke ich sofort, dass Frau Steinhauer leicht angeheitert ist. Ich überreiche Ihr eine Flasche Wein, den ich in einem Fachgeschäft für sie besorgt habe.

Sie bittet mich, auf ihrem Sofa Platz zunehmen. Das Sofa ist sehr bequem, und wir beginnen, uns nett zu unterhalten. Auf dem Tisch, der vor mir steht, fehlt es wirklich an nichts. Er ist randvoll gedeckt. Soviel ich sehen kann, hat Frau Steinhauer an alles gedacht. Allerlei verlockende Dinge zum Essen, Trinken und Naschen lachen mich an. Ein Baum in der Ecke ist sehr schön und ordentlich dekoriert und mit Kerzen und bunten Kugeln geschmückt. Die elektrischen Lichter leuchten wie Sterne am Nachthimmel.

„Möchten Sie etwas trinken?“, fragt sie mich.

„Oh, ja, gerne.“, antworte ich und versuche zugleich, so cool wie möglich zu bleiben. Ich bin noch ein bisschen schüchtern, denn das ist mein erstes Weihnachtsfest.

Sie schenkt mein Glas voll, und gleich darauf stoßen wir auf das Weihnachtsfest an.

„Wissen Sie, was ein Punsch oder Glühwein ist?“, fragt Sie mich frei heraus.

„Nein!“, antworte ich.

„Herr Ahmad, wenn Sie in Deutschland leben möchten, müssen Sie sich mit den deutschen Sitten und Gebräuchen vertraut machen! Sonst bleiben Sie verständnisloser Zuschauer oder einfach gesagt dumm!

„Okay. Dann erzählen Sie mir etwas darüber. Was ist eigentlich ein Punsch oder ein Glühwein?“

„Es gibt viele unterschiedliche Sorten davon und eine ganze Menge Rezepte. Punsch wird auf fast allen Weihnachtsmärkten angeboten. Und traditionell wird er auch in einigen Familien nach eigenen Rezepten gekocht. Für meinen Glühwein-Punsch habe ich die besten Zutaten ausgesucht. Also, Rotwein, Rum, schwarzen Tee, Zitronen, Orangen, Nelken, Zucker und was weiß ich noch. Möchten Sie etwas davon probieren?“

Aber ja!

Die gekochte Weinmischung, die nun in meinem Wortschatz als „Punsch“ gespeichert ist, schmeckt wirklich sehr gut. Das Rezept von Frau Steinhauer ist zweifelsohne einmalig.

Das Gesicht meiner Nachbarin glüht bald wie ein Ofen in der Stahlindustrie. Auch ich beginne langsam zu brennen und stelle fest, dass meine Dummheit beim Punschtrinken allmählich zu schrumpfen beginnt!!

Frau Steini fängt in der Mitte des Zimmers an, sich mit kleinen Schritten wie im Tanz hin und her zu wiegen. Sie starrt mich an und plärrt lauthals los:

„O Tannenbaum, O Tannenbaum,

du kannst mir sehr gefallen.“

Leicht irritiert erhebe ich meine Stimme und sage: „Ich bitte Sie, Frau Steini, haben Sie mich hierher eingeladen, um mich zu beleidigen? Sie schwanken, hier die ganze Zeit hin und her und nennen mich einen Tannenbaum! Ich bin ein Mensch, habe Füße und Hände, wahrscheinlich auch zwei Nieren! Warum verletzen Sie mich? Ich frage Sie: Was habe ich Ihnen denn getan?“

„Ach Quatsch! Seien Sie nicht so empfindlich oder einfacher gesagt, kein Dummkopf. Wenn ich du sage, meine ich nicht Sie, Herr Ahmad, sondern diesen Baum hier. Können Sie ihn nicht sehen? Ich habe ihn extra für heute gekauft und so hübsch geschmückt. Sie sind wirklich ein Dorftrottel!“

„Das stimmt überhaupt nicht. Ich bin ein Stadttrottel, da ich in einer Großstadt aufgewachsen bin! Übrigens, Frau Steini, wenn dieser Baum Ihnen besser gefällt als ich Ihnen gefalle, dann können Sie sich mit ihm unterhalten. Das wundert mich, und ich frage mich: Warum haben Sie mich hierhergeholt, wenn Sie so einen hübschen und attraktiven Baum zum Vergnügen und zum Unterhalten zur Verfügung haben?“

Punsch bringt uns aus der Fassung, besonders mich, den unerfahrenen Laien! Mich überkommt das Gefühl, in eine glühende Kohle verwandelt worden zu sein.

Während ich kaum noch auf den Beinen stehen kann, wankt Frau Steini durch den Raum, schenkt sich und mir weiter von ihrem Punsch ein und beginnt dann erneut, schrill und laut ein Lied zu plärren. Widerwillig höre ich zu:

„O du fröhliche, O du selige.“

„Ich bin überhaupt nicht fröhlich, Frau Steini, geschweige denn selig. Wir nennen in unserem Kulturkreis jemanden erst dann selig, wenn er gestorben ist. Ich bin noch nicht tot, Frau Steini. Sie behaupten, ich sei dumm und ein Trottel, Sie bezeichnen mich als eine Leiche, und letztendlich verlangen Sie von mir auch noch, fröhlich zu sein? Das finde ich unerträglich!

Komm her, du Kleine, lass uns zusammen tanzen.“ Wir umarmen uns und versuchen zu tanzen. Vom Glühwein berauscht flüstere ich Steini ins Ohr: “Dieser Abend ist der schönste in meinem ganzen Leben.“ Mein Geständnis ist noch nicht ganz ausgesprochen, da stürzen wir krachend zu Boden. Mühsam richten wir uns wieder auf und lassen uns ermattet in unsere Sofas fallen.

Sie fragt mich, ob ich ihr Glas nachschenken könne. Mit großer Mühe entkorke ich eine neue Weinflasche, von der ich inzwischen schon nicht mehr weiß, die wievielte es ist, und versuche tapfer, ihr Glas einzuschenken. Zu meinem Erstaunen bleibt das Glas unverändert leer. Zugleich wird aber auch die Flasche leer. Ich frage Frau Steini, ob ihr Glas wohl ein Loch habe?! Frau Steini, mit nur halb offenen Augen, nuschelt:

„wahr-schein-lich!“

Erschöpft versinken wir ganz tief in unseren Sofaplätzen und hören uns die Musik an, die aus dem Plattenspieler ertönt:

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Schlafe in himmlischer Ruh!

Jesus, der Retter ist da!!

Jesus, der Retter ist da!

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